schreiben social media

Texte in sozialen Netzwerken funktionieren anders als Website-Texte oder Blogartikel. Und anders als Print allemal. Wie gelingt es Dir nun, so für Social Media zu schreiben, dass Du deine Wunschkund*innen auch auf den unterschiedlichen Kanälen erreichst? In diesem Gastartikel verrät Dir Simone Maader, worauf es ankommt. 

Für Selbstständige und für Unternehmen bieten soziale Netzwerke unendlich viele Möglichkeiten, insbesondere wenn es darum geht, Vertrauen aufzubauen oder in einen Dialog zu kommen. Es wirkt sich positiv auf Deinen Erfolg aus, wenn es Dir gelingt, Deine Follower zu begeistern, zu unterhalten, sie zu informieren oder ihnen Aha-Erlebnisse zu verschaffen. Was Du dafür brauchst, sind klug gewählte Inhalte (Content). Texte sind dabei ein zentrales Element. Mach Dir vorab klar, wie Social Media funktionieren. Wir nutzen soziale Netzwerke meistens irgendwo unterwegs oder so halb nebenbei und in aller Regel am Smartphone. Wir lassen uns inspirieren, diskutieren, lernen neue Leute kennen und: Wir scrollen uns ziemlich schnell durch. Daraus ergibt sich ganz automatisch

Tipp 1: Komm auf den Punkt.

„Als ich heute früh mit der Bahn von Hintertupfingen nach Obergestreiftheim gefahren bin, hat sich ein Mann im Anzug neben mich gesetzt und eine Brotdose ausgepackt. Ich hab mir erstmal nichts dabei gedacht.“ …

Wenn Du einen Post bei Facebook oder Instagram so beginnst, scrollen die User*innen ziemlich sicher gelangweilt weiter. Vielleicht bekommst Du ein Like, weil das Foto hübsch ist, aber das war’s. Die harte Währung sind Kommentare oder das Teilen, beispielsweise bei Instagram in den Stories. Das ist entscheidend für Deine Reichweite.

Wie kommst Du jetzt besser auf den Punkt? Ganz einfach, indem Du auf die Einleitung verzichtest:

„Weißt Du, wie eklig hart gekochte Eier riechen? Heute Morgen im Zug, auf dem Weg zu einer Kundin, hat ein Typ neben mir tatsächlich hart gekochte Eier gefrühstückt. Mir war beim Aussteigen sowas von übel, das glaubst Du nicht.“

Damit erzeugst Du Kopf-Kino.

Starte also mit etwas, das die Follower direkt anspricht, sie einbezieht oder ihnen bekannt vorkommt. Wenn sie keinen Bezug zu sich selbst finden, sind sie schnell weg. Achte außerdem wirklich auf kurze Sätze. Du darfst sogar einen Punkt machen, wenn es kein ganzer Satz ist. Wirklich. 20 Wörter sind das Maximum. Besser ist es, wenn Du unter 14 Wörtern bleibst. Nur kurz ist aber auch unglücklich, insofern empfehle ich Dir ein bisschen Abwechslung. Das bringt Dynamik in den Social-Media-Text. 

Tipp 2: Finde Deine Worte

Verstell Dich nicht, sondern schreib Deine Texte für Social Media so, wie Du tatsächlich sprichst. Natürlich nicht Dialekt, aber eben gesprochene Sprache. Alles andere wirkt gestelzt und unecht.

Mach Dir immer wieder klar: Die Kommunikation auf sozialen Netzwerken geht von Mensch zu Mensch.

Ob Du also eine Alltagsgeschichte (wie die mit den Eiern im Zug) erzählst, handfeste Tipps gibst oder etwas zu einem neuen Produkt oder einer Dienstleistung erzählst: Bleib Dir treu. Formuliere leicht verständlich und verzichte auf steife Wörter wie diesbezüglich, jedoch und wiederum. Das sind Worte, die Du in einem Offline-Gespräch niemals sagen würdest. Also kannst Du es auch online lassen.

Man kann nicht zu einfach schreiben.

Die große Angst ist oft, nicht professionell genug zu klingen, wenn man einfach schreibt. Ganz ehrlich: Einfach und schlicht klingende Texte sind meistens die, in die besonders viel Hirnschmalz geflossen ist. Sich hinter Phrasen, Buzzwords und Anglizismen verstecken, das kann ja jede*r. Beispiele:

  • „Bei uns wird Qualität großgeschrieben.“ Das ist toll, sagt aber nicht wirklich etwas aus. Was genau macht denn die Qualität aus? Beschreib es mit Deinen Worten.
  • „Die Sofas in unserem Café laden zum Verweilen ein.“ Wenn ich sowas lese, bekomme ich das kalte Grausen. Würdest Du so einen Satz zu Deiner Nachbarin sagen, um sie zu überzeugen, dort mit ihrer besten Freundin gemütlich einen Kaffee zu trinken?

Schreib wie Du sprichst, sag es mit Deinen eigenen Worten. 

Tipp 3: Kenne und verstehe den Kanal

Immer wieder sehe ich auf Twitter Texte, die mittendrin abbrechen – und dann kommt ein Link zu Instagram. Was ist da passiert? Ganz einfach: Jemand nutzt sowohl Twitter als auch Instagram, hatte aber keine Lust, einen eigenen Tweet zu verfassen. Stattdessen hat die Person denselben Post einfach direkt auf beiden sozialen Netzwerken geteilt.

Anderes Beispiel: Ich bin auf Facebook, sehe ein schönes Bild, lese den entsprechenden Text dazu – und dann steht am Ende ein Call-to-Action, der mich auffordert, den dazugehörigen Blogartikel zu lesen. „Link in der Bio“, gefolgt von einem Schwung Hashtags. Doof, denn die Bio ist bei Instagram und ich bin ja gerade auf Facebook. Ich werde den Artikel also nicht lesen.

Auch hier wurde automatisch auf mehreren sozialen Netzwerken gleichzeitig gepostet, ohne die Rahmenbedingungen der einzelnen Kanäle zu berücksichtigen. Damit lässt Du Deine Follower ratlos oder irritiert zurück. Schlimmstenfalls ärgern sie sich und entfolgen. Das kann unmöglich Dein Ziel sein.

Mach Dich also mit den Gepflogenheiten der einzelnen Kanäle vertraut und pass Deine Texte dem jeweiligen Kanal an:

Facebook

Totgesagte leben länger. Facebook ist für 2020 schon von vielen Leuten abgeschrieben worden. Auch ich verlagere meinen Fokus zu LinkedIn. Aber Facebook ist weiterhin eine unglaublich wichtige Plattform. Deshalb ziehe ich mich auch nicht komplett zurück – zumal ich dort noch immer eine Reichweite von 50 bis 70 % habe. Meine Schreibtipps für Facebook:

  • Formuliere einen knackigen Einstieg und denk journalistisch. Mit was kannst Du Deine Follower motivieren, auf „mehr“ zu klicken?
  • Arbeite mit Emojis, aber überleg Dir gut, welche wirklich passend sind und nicht peinlich wirken. Dann kannst Du damit Deinen Text wunderbar auflockern.
  • Verzichte auf Hashtags. Facebook hat sie – warum auch immer – bis heute nicht sinnvoll nutzbar gemacht. Ich bezweifle inzwischen, dass sich daran noch einmal etwas ändert. Hashtags sind hier also sinnlos. Einzige Ausnahme: Wenn Du einen eigenen Hashtag nutzt, den Du im Kopf Deiner Follower verankern willst, dann setz ihn ruhig ein, aber sparsam.
  • Schreib eher kürzere Texte und strukturiere sie mit Absätzen.
  • Lade Deine Follower zur Interaktion ein und arbeite mit Handlungsaufforderungen. Hauptsache, es tut sich etwas auf Deiner Facebook-Seite und Du bist nicht immer nur im „Sende-Modus“.

Instagram

Lange hieß es, Instagram sei doch eine reine Fotoplattform, damit könne man beruflich nichts anfangen. Ja, die Bilder sind immer noch sehr wichtig, aber dort werden auch Texte gelesen. Sogar längere. Deswegen eignet sich das Netzwerk ganz hervorragend für unterschiedliche Marketingzwecke. Hier gilt:

  • Achte auf einen knackigen Einstieg. Du hast nur zwei Zeilen, um die User*innen vom Weiterscrollen abzuhalten.
  • Erzähl die Geschichte zum Bild und denk dabei auch mal öfter um die Ecke. Ein Foto von einer Treppe kannst Du zum Beispiel nutzen, um über den Weg zum Erfolg zu schreiben.
  • Formulier Deine Texte so, dass man Lust bekommt, sich mit Dir „zu unterhalten“. Bezieh Deine Follower mit ein, stell Fragen oder starte vielleicht sogar eine Challenge zum Mitmachen.
  • Setz Hashtags strategisch ein. Du darfst zwar bis zu 30 Stück nutzen, solltest Du aber nicht. Nimm lieber 5 bis 15, die zu Deinem Bild und Deinem Thema passen. Variiere die Hashtags und arbeite nicht immer nur mit denselben. Auch wichtig: Stürz Dich nicht auf die, die millionenfach genutzt werden (#SocialMedia), sondern schreib auch weniger berühmte Hashtags rein, um in der Flut nicht unterzugehen. Und: Wenn Du Deine Zielgruppe im deutschsprachigen Raum hast und deutsche Texte auf Instagram veröffentlichst, dann nutz Hashtags auf Deutsch.
  • Auch auf Instagram darfst Du im Text mit Emojis spielen. Das ist im Idealfall unterhaltsam und hilft Dir dabei, den Text zu strukturieren und leichter konsumierbar zu machen.

LinkedIn

Lange galt LinkedIn also das internationale Xing. Das ist vorbei. Inzwischen würde ich eher sagen, dass es sowas wie das Facebook für Profis ist. Fachlicher Austausch auf hohem Niveau, aber gleichzeitig sehr unterhaltsam. Der Anspruch an Deinen Content ist hier also vergleichsweise hoch. Das bedeutet aber nicht, dass Du Deinen Schreibstil komplett verändern sollst:

  • Schreib auch hier so, wie Du sprichst.
  • Fachjargon ist auf LinkedIn kein Problem, im Gegenteil. Hier darf es ruhig fachlich und anspruchsvoller werden.
  • Mit Emojis bin ich hier eher zurückhaltend und beobachte das auch bei denen, die schon länger auf LinkedIn aktiv sind, so.
  • Interaktion ist auf LinkedIn enorm wichtig. Lade Deine Follower also zum Austausch ein und diskutiere mit ihnen.

Twitter

Der Kurznachrichtendienst wird oft unterschätzt und genauso oft falsch genutzt. Für Selbstständige und Unternehmen ist die Plattform toll. Du hast allerdings maximal 280 Zeichen Platz für Deinen Tweet. Die Botschaft muss also wirklich klar und verständlich sein. Fokus, Fokus, Fokus. Natürlich darf es hier lustig und unterhaltsam sein. Vieles ist aber wirklich fachlicher Austausch auf teilweise sehr hohem Niveau. Drei konkrete Twitter-Tipps:

  • Poste speziell für Twitter und nicht automatisiert von anderen Plattformen.
  • Fass Dich möglichst kurz, es dürfen auch deutlich weniger als 280 Zeichen sein.
  • Sei sparsam mit Hashtags. Zwei pro Tweet reichen meistens.

 Wenn Du diese grundlegenden Tipps beherzigst, Deine Ziele für die Kanäle festgelegt hast und Deine Wunschkund*innen wirklich gut kennst, kannst Du Social Media hervorragend nutzen, um Dein Business erfolgreich voranzutreiben. Und das mit dem Schreiben ist irgendwann einfach eine Frage von Übung. Probier Dich einfach aus und schau, was gut funktioniert.  Simone Maader unterstützt Dich dabei, Dein Business mit klug gewählten Inhalten voranzubringen. Als Texterin und Content-Strategin kümmert sie sich darum, Botschaften so zu formulieren und zu verbreiten, dass sie bei Deinen Wunschkund*innen auch wirklich ankommen.

www.maader.de

LinkedIn: https://de.linkedin.com/in/simone-maader

Instagram: https://www.instagram.com/simone.maader.kommunikation/

(Foto von Simone: Stefanie Herrmann)

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