5 Gründe, einen Auftrag abzulehnen

Warum du nicht jeden Auftrag annehmen solltest

Gerade wenn das Geld knapp ist oder das Umsatzziel für den aktuellen oder kommenden Monat noch nicht ganz gesichert ist, neigt der eine oder andere Dienstleister dazu, JEDEN Auftrag anzunehmen.

Grundsätzlich kann ich das auch gut nachvollziehen. Das Motto und damit der Hauptantrieb lautet: „Ich brauche das Geld.“ Meist folgt noch ein „Da kann ich nicht so wählerisch sein!“

Ab und an höre ich auch den Satz „Wenn ich einmal NEIN sage, ist der Kunde für immer weg.“

In diesem Artikel möchte ich heute zum einen Gegenargumente für die oben genannten Sätze liefern und zum anderen ein wenig mit dem Mythos „Auftrag um jeden Preis“ entkräften.

Für dich habe ich 5 der TOP-Gründe zusammen getragen, um einen Auftrag NICHT anzunehmen.

Nein-zum-Auftrag Grund 1: Keine Ressourcen

Bevor wir einen Kunden einen Auftrag (oder manchmal auch nur eine kleine Bitte) ablehnen, übernehmen wir uns lieber. „Schaff ich schon“, „Arbeite ich eben etwas länger“, „Die Zeit spare ich woanders wieder ein“. Sicher geht das ab und an für wirklich wichtige Kunden und Aufträge. Vielleicht solltest du diese Zeit aber auch für möglichen Mehraufwand bei bestehenden Aufträgen blocken oder dich mit dem Wachstum deiner Firma oder deiner Persönlichkeit beschäftigen. Einen Auftrag anzunehmen, heißt nämlich nicht unbedingt Firmenwachstum…

Wenn du wirklich keine oder kaum Kapazitäten frei hast, dann übernimm dich nicht. Lieber einen Auftrag weniger als zwei oder drei schlecht abzuliefern! Von deinen körperlichen Ressourcen ganz zu schweigen, hier solltest du natürlich auch immer auf genug Kraft achten.

Lege dir einen oder zwei gute Kontakte / Kooperationen an, mit denen du in solchen Fällen zusammen arbeitest. Du kannst dann guten Gewissens an einen Kollegen empfehlen, wenn du mal nicht kannst. Egal ob du gerade keine Zeit hast, krank oder im Urlaub bist.

Wer hier Angst hat, Kunden an einen guten und netten Kollegen zu verlieren, der sollte grundsätzlich noch einmal an seiner Einstellung arbeiten. Bist du gut, brauchst du keine Angst zu haben. Ist der Kollege deutlich besser, arbeite dran. Hast du Angst, dass dieser die Kunden „abwirbt“, ist es entweder nicht die richtige Kooperation oder du hast grundsätzlich ein Vertrauensproblem, dass du mal angehen solltest. Treue Kunden bleiben bei dir, auch wenn du mal nicht kannst. Und gute Kunden wissen deinen Tipp wirklich zu schätzen und wechseln nicht einfach!

Nein-zum-Auftrag Grund 2: Keine Bereitschaft

Dieser Tipp geht eher an Dienstleister, die eine Bereitschaft der Kunden zur Veränderung brauchen. Das kann eine neue Frisur sein, eine neue Ernährungsgewohnheit, neue Farbe bei der Garderobe oder beim Hausanstrich, eine völlig neue Webseitenstruktur oder wie bei mir, die Bereitschaft, altes, nicht Funktionierendes über Bord zu werfen und neue, gezieltere Wege zu gehen.

Wenn du ahnst oder es dir sogar direkt gesagt wird, dann lass die Finger von Kunden, die nichts ändern wollen.

Du hörst Sätze wie „Wir brauchen mehr Kunden, aber die Webseite bleibt so, die war teuer“. Oder „Meine Frisur sieht so langweilig aus, aber kurze Haare stehen mir gar nicht. Und die Farbe finde ich auch ganz gut so.“

Der Wunsch nach Veränderung mag vielleicht da sein, aber ist er groß genug? Vielleicht ist er aber auch nur von außen „eingeredet“ worden. Versuch doch mal dies oder das. Bei mir hat das funktioniert. Du brauchst unbedingt das… Davon lassen sich viele beeindrucken, fragen den entsprechenden Dienstleister mit diesem Wunsch an und dann kommt das große Zögern. Weil sie (noch) nicht wirklich bereit sind, etwas zu ändern. Das darfst du nicht übel nehmen. Der Mensch verändert sich nicht gerne. Der Wunsch dazu muss wirklich vorhanden sein! Wenn du hier zu forsch bist und das Zögern nicht bemerkst oder vielleicht sogar übergehst, kann die Sache ganz schon nach hinten los gehen. Für den Kunden und für dich!

Klopfe also in deinen Gesprächen deutlich ab, wie bereit der Kunde für die Zusammenarbeit mit dir und der damit verbundenen Veränderung ist. Will er wirklich, dann GO. Aber wenn du merkst, dass zu viele ABERS kommen, dann lehne den Auftrag lieber ab. Es kann sein, dass der Kunde dann etwas „verschnupft“ reagiert, immerhin hat er bei dir den Wunsch nach Veränderung geäußert und du lehnst (aus für dich guten Gründen) ab, aber glaube mir, dein Bauchgefühl hat da immer Recht! Vielleicht gibt es Aufgaben, die dieses Abklopfen erleichtern, vielleicht braucht es noch etwas Zeit. „Nein“ kann in diesem Fall also auch „Jetzt noch nicht heißen.“

Beim ersten Mal fühlt sich das Nein für diesen Grund noch etwas merkwürdig an. Wenn du hinterher aber irgendwie erleichtert bist, war es genau richtig und beim nächsten Mal kannst du dich eher auf dein Bauchgefühl verlassen.

Nein-zum-Auftrag Grund 3: Kein großes Problem

Manchmal lässt sich ein Kundenproblem schneller aus dem Weg räumen als es der Kunde vermuten könnte. Er sieht vielleicht ein Problem und damit Handlungsbedarf, wo es aus deiner Expertensicht gar kein großes Problem gibt.

Ich habe Kundenanfragen, die gar kein Coaching zu ihrer Positionierung brauchen. Sie brauchen manchmal nur eine kurze Bestätigung, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Oder einen kleinen Schubs, einen Tipp, der sie von ganz alleine auf die Spur bringt. Hier kann und will ich keinem etwas verkaufen, das er gar nicht braucht. Und das sage ich dann auch so. „Sorry, ich kann dir kein Coaching anbieten, weil du gar keins brauchst“.

Du denkst jetzt vielleicht, das wäre unklug. Leicht verdientes Geld. Aber ganz ehrlich, spätestens nach der ersten Zusammenarbeit wird sich das Problem schnell gelöst haben. Hat der Kunde dann ein größeres Produkt bei dir gekauft, wird er schon merken, dass es zu viel, zu teuer, zu umfangreich war. Dann lieber gleich offen und ehrlich und die Person ist zwar JETZT kein Kunde geworden, aber er behält dich gut in Erinnerung. Und kommt wieder oder empfiehlt dich weiter.

Und das gilt nicht nur für meine Arbeit. Es muss keine komplett neue Frisur her, weil das erste graue Haar zu sehen ist. Wenn der Hund ängstlich ist, braucht es keine komplette Hundeschule, wenn die Ursache schnell gefunden ist und ein kleiner Tipp reicht. Und es muss auch nicht komplett die Küche renoviert werden, wenn die Wand hinter der Essecke verschmutzt ist. Es KANN, es MUSS ABER NICHT!

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Nein-zum-Auftrag Grund 4: Keine Expertise

Dein Kunde verdient keine durchschnittliche Lösung, sondern die beste! Wenn du also das Gefühl hast, dass du auf dem gewünschten Gebiet nicht sicher genug bist, dann solltest du an einen Experten verweisen! Punkt! Das ist meine Meinung und zu der stehe ich. Ich im Gegenzug wünsche mir auch, dass jemand, der wirklich großartig darin ist, Herzen zu operieren, nicht meinen gebrochen Arm richtet. Und jemand, der sich unheimlich gut mit Email-Marketing auskennt, der weiß nicht unbedingt, wie man sinnvolle Angebot passend zur Zielgruppe erstellt. Jemand, der vor 10 Jahren mal in der Ausbildung gelernt hat, Haare zu färben, muss heute kein Spezialist für natürliche Strähnen sein.

Ich meine damit übrigens nicht, dass der Expertenstatus vom Kunden verlangt wird. Hier geht es um die eigene Einschätzung deiner Kenntnisse. Gerade wenn es um viel Geld geht! „Könnte ich auch machen“ ist hier keine gute Antwort, weder für den Kunden, noch für die Experten da draußen und ehrlich gesagt auch nicht für dich. Du brauchst vielleicht länger, liest dir selber vorher noch das nötige Wissen an oder fühlst dich während des ganzen Auftrages immer etwas unwohl.

Wenn du dir nicht wirklich sicher bist, die richtige Person für die Anfrage zu sein, verweise an jemanden, der sich sicher ist. Im Gegenzug verweisen diese Experten dann an dich, wenn es um dein Spezialgebiet geht. Baue dir hier ein Netzwerk aus Kooperationspartner auf, die lieber Spezialist als Generalist sind. Wobei dies hier keine Wertung ist. Generalisten darf und sollte es auch geben und sie werden ebenfalls auch von Kunden gewünscht. Aber nicht von jedem Kunden in jedem Fall.

Nein-zum-Auftrag Grund 5: Keine Sympathie

Der für mich wichtigste und (mit Nr. 2 zusammen – Bereitschaft) häufigste Grund, warum ich einen Auftrag nicht annehme oder manchmal wieder abbreche. Meist ist Sympathie ja schnell klar, aber nicht immer. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich die Zusammenarbeit beendet habe, wenn sich wider Erwarten doch rausstelle, das funktioniert so nicht.

Ich bin ein großer Freund von rationalen Entscheidungen. Wie wichtig ist der Kunde, was bringt dieser Auftrag mir für die Zukunft, wofür brauche ich das Geld? Alles sehr wichtige Überlegungen. Aber wenn einer der 5 Gründe dagegen spricht, sind sie meine Entscheidungsgrundlage.

Kein Geld der Welt ist so wichtig, dass du dich häufig oder extrem ärgerst! Ja, auch das ist eine Einstellungssache von mir. Aber mir sind meine Nerven und die Zeit viel zu schade, als dass ich mich mit nervigen Kunden rumschlage.

Je länger ich im Business bin (und je älter ich werde) um so wichtiger ist mir mein Seelenfrieden im Vergleich zu Geld. Was nicht heißt, dass mir Geld, Umsätze und Aufträge nicht wichtig sind. Aber ich wäge immer ab: Hab ich die Zeit, die Kraft, die Lust, das Wissen für diesen Auftrag oder nicht. Und danach entscheide ich. Und diesen Rat kann ich auch dir nur geben. Geld ist nicht alles!

Warum ich dies schreibe? Weil es hier darum geht, Position zu beziehen. Es geht um Wunschkunden, um Schwerpunkte, um den Mut auch mal Nein zu sagen. Alles Themen, für die ich stehe und die ich so selber praktiziere und weiter gebe an meine Kunden.

Klar gehört es auch zum Business, Erfahrungen selber zu machen. Aber so mache schwierige Situation kann ich dir vielleicht leichter machen. Indem du ab und an mal einen Auftrag nicht annimmst und für dich damit glücklicher bist, als hättest du nur nach dem Geld geschielt oder dich für den Kunden verbogen.

2 Kommentare
  1. Anette K-K sagte:

    Hallo Bianca,
    ein toller Artikel, den ich so nur unterschreiben kann.
    Ein Schlüsselsatz, den ich sehr gut nachempfinden kann ist: „ Je älter ich werde um so klarer werde ich beim Nein-Sagen“. Genauso geht es mir auch. Trotzdem bin ich auch froh über all die „ Fehler“ die ich in Bezug auf die „falschen“ Kunden gemacht habe. Schließlich haben sie mich dahin gebracht, wo ich heute stehe…
    Liebe Grüße
    Anette

    Antworten
    • Bianca sagte:

      Liebe Anette, natürlich brauchen wir auch die Fehler. Denn nur durch sie wissen wir ja heute, wann wir lieber Nein sagen sollten :-). Viele Grüße, Bianca

      Antworten

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